Gewerkschaften und Produktivität – ein Paradoxon?

Dieser Blogbeitrag hier beschäftigt sich mit Produktivität versus Gewerkschaften. Landläufig gehen Konservative davon aus, dass Gewerkschaften Unternehmen zerstören, weil hohe Löhne die Produktivität ruinieren. Daher will man keine. Man will auch keine gesetzliche Regelungen, weil diese unflexibel sind. Linke Gruppierungen wollen starke Gewerkschaften und starke gesetzliche Regelungen. Progressive setzen heute eher auf gesetzliche Regelungen alleine. Soweit der Zwiespalt.

Der Blogger, Chris Dillow, Journalist aus UK, hat zu diesem Thema einen OECD-weiten, interessanten Vergleich zwischen Produktivität und gewerkschaftlichem Organisationsgrad erstellt:

Die Grafik zeigt nun einen interessanten Zusammenhang: Dort, wo der gewerkschaftliche Organisationsgrad hoch ist, dort ist auch die Produktivität hoch. Es gibt natürlich Länder, die hier ausscheren, allerdings gilt für diese Länder etwas anderes: Wenn sich keine Gewerkschaften um bessere Löhne kümmern, dann macht das die Politik durch Gesetze – denn das bringt Wählerstimmen.

Ein sehr aktuelles Beispiel dafür ist die Mindestlohndiskussion. Auch die Piratenpartei hat im Programm einen Mindestlohn festgeschrieben. Er ist eine Art untere Schranke. Solche Forderungen sind ein schlechter Ersatz für Gewerkschaften, denn Gesetze sind ihrer Natur nach unflexibel. Man braucht Mehrheiten um sie ändern zu können. Ausserdem können Erfordernisse einzelner Branchen oder Regionen nur mit hohem Aufwand berücksichtigt werden, was das Gesetz aufbläht. Gesetze behindern darüber hinaus ein branchenspezifisches, flexibles Handeln in Krisenzeiten (Beispiel: Kurzarbeit) zum Vorteil der Arbeitnehmer (die sonst den Job verlieren würden).

Eigentlich müssten Vorstände von Unternehmen für private Interessensvertretungen wie Gewerkschaften sein. Marktverhalten bei den Interessensvertretungen bedeutet Flexibilität und Verhandlungsspielraum. Man kann auf plötzliche Ereignisse reagieren. Man kann Branchen und Regionen flexibel berücksichtigen. Wieso stehen diese Gewerkschaften so negativ gegenüber? Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert diese Studie: Sie zeigt, dass die Bezahlung von Vorständen mit der Stärke der Gewerkschaften abnimmt.

Gemessen an den Zielen der Piratenpartei, müssten die Mitglieder also glühende Gewerkschafter sein. Man fordert ja allenortens niedrigere Bezüge für Vorstände und bessere Bezahlung der Mitarbeiter.


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